2. Männer: M2 verschluckt sich beinahe an Vogelsberger Bauernkost

24.03.19: TV Homberg - HSG Marburg/Cappel II 24:25 (8:16)

Der vorletzte Spieltag führte die Cappeler nach dem grandiosen Sieg im Spitzenspiel nun zum Tabellenletzten TV Homberg. Da die HSG Lumdatal an diesem Tag dem TV Wetzlar keine Punkte abnehmen konnte, waren 2 Punkte bei den Vogelsbergern natürlich die Pflichtaufgabe um am letzten Spieltag die Möglichkeit für den Aufstieg zu wahren.
Was kam da mehr gelegen, als ein Gegner, der mit einem Bein bereits als Absteiger feststeht. Dennoch warnte Coach Quent ihre Jungs davor den Gegner leichtfertig zu unterschätzen, konnte man sich mit einer Niederlage doch alles versauen.
Und so startete man auch durchaus nervös in die Partie und lag nach 4 Minuten mit 2:0 hinten, was auch daran lag, das die Gastgeber wie die Holzhacker zulangten. So musste das Spiel in diesen 4 Minuten bereit zweimal wegen Verletzungen auf Seiten der Cappeler angehalten werden, da die Gastgeber deutlich über der normalen Härte agierten, was der Schiedsrichter aus Wettenberg jedoch als nicht mehr als gelb- bzw. zeitstrafenahndungswürdig ansah. Der rote Karton hätte, ähnlich wie im Spiel gegen Lumdatal, für das Schubsen von hinten beim Tempogegenstoß durchaus gezückt werden können.
Mit dem Unmut über diese Entscheidungen und dem unerwartet Spielverlauf zu Beginn, war nun jedoch ordentlich Dampf im Kessel und in Person von JJ Bruens wurde das Ventil geöffnet. Denn von nun an servierten die Jungs aus Marburg Tor für Tor, obgleich Homberg weiterhin versuchte mit ihrem "Bauernhandball" das Spiel zu zerstören, was ihnen Zeitstrafen und unseren Jungs mehr Freiraum im Angriff für weitere Tore bot. Parallel dazu hatte Torwart Kevin - The IBUnizer - Radl wieder einen Sahnetag erwischt und parierte etliche Würfe sowohl aus dem Spiel, als auch vom 7m-Punkt, was zur Folge hatte, das zur Halbzeit ein respektabler Vorsprung von 8 Toren auf der Uhr stand (8:16).

Alles lief also nach Plan und man war bereit den zahlreichen mitgereisten Fans im zweiten Durchgang weiterhin zu zeigen, wer hier um den Aufstieg und wer um den Abstieg spielt.
Sie bekamen allerdings 30 Minuten Spielzeit präsentiert, die an Dramatik ihres gleichen suchen sollten.
Man weiß nicht, was für einen Einlauf der gegnerische Trainer seinen Spielern verpasst hatte, unsere Spieler hätten es in Runde 2 ebenfalls gebrauchen können, denn von nun an ging alles in die verkehrte Richtung.
In der Abwehr wusste man ein ums andere mal nicht das Zuspiel an den Kreisläufer zu unterbinden und im Angriff wurde teilweise vogelwild der Ball weggeworfen. Die Jungs aus Marburg waren vollkommen von der Rolle ob des Spielverlaufs und es war deutlich anzusehen, das die Nerven immer blanker lagen. Keiner wollte den nächsten Fehlwurf verantworten und so wurde immer wieder so lange ausgespielt, bis der Arm des Schiedsrichters oben war, ehe man den Ball - meist nicht erfolgreich - in Richtung Torwart brachte. So schmolz der komfortable Vorsprung, bis es in er 52. Minuten tatsächlich 23:23 stand.
Fassungslosigkeit auf Seiten der Gäste stellte sich euphorische Stimmung auf Seiten der Gastgeber ein, die nun tatsächlich an ihrer persönlichen Saisonsensation schnupperten.
Vielleicht war es dann dieser entscheidende Moment, der dazu beitrug, das die Cappeler innerhalb von 60 Sekunden mit zwei lupenreinen Tempogegenstößen die Stimmungslage wieder kippen ließen. Es folgte das Timeout für Homberg und danach eine reine Abwehrschlacht, in der sich beide Mannschaften an Härte nichts mehr schenkten. Es wurde gezogen, geschoben und gezerrt und immer wieder musste die Partie unterbrochen werden. Der sterbende Tiger in der Ecke weiß immer noch zu beißen und so gelang den Gastgebern 2 Minuten vor Abpfiff der Treffer zum 24:25. Die HSG mit Ballbesitz und wieder einmal gelang es nicht dies zum Vorteil für den entgültigen Todesstoß zu nutzen. Stattdessen hatten es die Gastgeber nun in ihrer Hand noch einen Punkt aus der Partie mitzunehmen.
Fast volle 60 Sekunden musste das Bollwerk stehen und immer lief man Gefahr eines Strafwurfes, die der Schiedsrichter aus Wettenberg an diesem Tag vermehrt den Hombergern aber nicht den Marburgern zusprach. Noch 10 Sekunden und wieder Freiwurf. 5 Sekunden. 4, 3, 2, 1, die Sirene ertönt und Cappel jubelt. Doch was ist das. Der Schiedrichter gibt noch einmal Freiwurf. The IBUnizer beordert alle Feldspieler in die Mauer, schreit gegen die Zuschauer und alle anderen an. Versucht seine Jungs zu positionieren und dennoch gelingt es dem Werfer mit einem Knickwurf irgendwie hüfthoch eine Lücke zu finden. Der Ball, leicht abgefälscht, trudelt in einer irren Kurve auf den Torwart zu, der ihn gerade noch mit dem Fuß stoppen kann. Ende. Aus. Nun ist es wirklich vorbei. Die Jungs in gelb können sich kaum freuen, so tief sitzt der Schock über diesen beinahe Ausgleich.
Der Adrenalinpegel war in diesem Moment deutlich über der empfohlenen Höchstgrenze und nachdem man sich etwas berappelt hatte, konnte man sich auch den Fans in gebührender Weise für den Support bedanken. Die Chance war gewahrt, aber um ein vielfaches schwerer als erwartet.

Alle Augen liegen nun auf dem Spiel der TV Wetzlar am letzten Spieltag in der Wettenberger Halle. Sollten dort kein Sieg eingefahren werden, so kann die HSG im Heimspiel am Sonntag gegen Aßlar den Aufstieg perfekt machen. Anderenfalls feiert man die goldene Ananas. So oder so wir das ein oder andere Hopfengetränk fließen.

Für die HSG Marburg/Cappel II spielten: Kevin Radl (Tor); Christian Kollmann (9/4); Immo Petersen (7/1); Simon Blessing, Justus Thelen, Jan-Jonas Bruens, Julian Bernhardt (je 2), David Garzinsky (1); Henning Dippel, Martin Carle, Philipp Ueberholz, Alexander Pittack, Lars Lennart Ruttkowski, Dominik Gebauer

(ap)

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